Research

‘Sound-Schlachten’
Männlichkeit, Gewalt und ‘Whiteness’ in extremen subkulturellen Musikszenen

Das Projekt ‘Sound-Schlachten’ beleuchtet Konstruktionen von Männlichkeit, Whiteness und symbolischer Gewalt in den subkulturellen Musikszenen Industrial (eine Art harsche Maschinenmusik) und Extreme Metal (eine extreme Spielart des Heavy Metal). Trotz ihrer zunehmenden popkulturellen Bedeutung werden solche Musiksubkulturen bislang kaum wissenschaftlich thematisiert. Industrial und Extreme Metal bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Faszination und Gewaltsymbolik, das häufig zu Verklärung seitens ihrer Fans und Verteufelung seitens ihrer KritikerInnen führt. Dieses diskursive Feld gilt es verstehend zu rekonstruieren, um es dann mit Blick auf die kulturellen Konstrukte Gender und Ethnizität kritisch zu dekonstruieren.

Industrial und Extreme Metal ist ein häufiger Rekurs auf teils mythisch überhöhte historische Motive gemein (z.B. in Songtexten bzw. Sprachsamples, Tonträger-Artworks und Band-Images). Solche Motive drehen sich teils um Kampf, Krieg, Militarismus oder Totalitarismus, und beinhalten somit vielfältige Referenzen zu Männlichkeit und Whiteness. Beide Genres zeigen jedoch auch progressive, gesellschaftskritische Tendenzen, welche z.B. über dystopische Kriegs- und Zerstörungsszenarien eine zunehmende Technisierung und Militarisierung der Lebenswelt anmahnen und so indirekt auch traditionelle Konzepte von Männlichkeit und ‘weißer’ kultureller Überlegenheit in Frage stellen. Gefordert ist folglich eine differenzierte Analyse extremer subkultureller Musik und ihrer Szenen. Eine solche Analyse, welche die Produkt- und Rezeptionsebene einschließlich ihrer kulturellen und intermedialen Hintergründe gleichsam berücksichtigt, will das Projekt leisten.

Den inhaltlichen Schwerpunkt bildet die Analyse von Interdependenzen zwischen den betrachteten Konstrukten: Wie interagieren Männlichkeit und Whiteness in der Produktion subkultureller Codes von Gewalt? In welcher Beziehung steht ihre subkulturelle Verhandlung zu ihren allgemeinkulturellen Bedeutungen? Der methodische Schwerpunkt fokussiert das Zusammenspiel musikalischer, textlicher und visueller Elemente im Medium Musik und ihren subkulturellen Aneignungspraxen: Wie wirken Sound-, Text- und Bild/Performance-Aspekte bei der Produktion szenespezifischer Codes in Musik und subkulturellen Alltagspraxen zusammen? Die Bearbeitung dieser Fragen per Analyse von Tonträgern, Musikmagazinen und Online-Quellen sowie teilnehmender Beobachtung und ethnografischen Interviews verspricht Einblicke in die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Gender, Ethnizität und gewalthaltiger Symbolik in der Postmoderne.

Sonic Battles
Masculinity, Power/Violence and Whiteness in Subcultural Music Scenes

[original German title of project: ‘Sound-Schlachten’ – Männlichkeit, Gewalt und ‘Whiteness’ in extremen subkulturellen Musikszenen]

The research project ‘Sonic Battles’ examines constructions of masculinity, whiteness and symbolic violence in the subcultural music scenes of Industrial and Extreme Metal. Its main concern is to illuminate the implication of gender and ethnicity as dominant societal discourses of cultural difference in these scenes, which are increasingly significant in pop cultural terms but have so far been largely ignored by academia and cultural politics.

At the level of cultural analysis, the focus is on interdependencies between the factors considered: How do masculinity and whiteness interact in the construction of subcultural codes of power/violence, and how do their subcultural negotiations relate to their general cultural meanings? At the methodological level, the focus is on the interplay of sonic, textual and performatory elements in the mediating of music as well as in the subcultural practices of its appropriation: How do sound, text and performance elements work together in the production of scene-specific codes in the music and the cultural practices of the Industrial and Extreme Metal subcultures?

The analysis of these questions aims to illuminate the complex field of tension between fascination and fear which these scenes constitute.

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